Ferry Zipper

Ferdinand Alfred Zipper wurde am 11. Februar 1911 in Wien geboren, floh durch die Nationalsozialisten vertrieben, in die
Niederlande und verstarb am 28. März 1985. Sein Großvater Josef Zipper, ein jüdischer Kantor aus Galizien hatte einst Fanny
Schwarzenberg, die Tochter eines ungarischen Rabbiners geheiratet. Ferdinands Vater, Arnold Zipper, ein Magazineur, wurde
1864 bereits in Wien geboren. Er wählte die katholische Schneiderin Leopoldine Schubauer (*1869) aus St. Pölten zu seiner
Frau. Die Töchter Anna (*1893) und Margaretha (*1901) wurden katholisch getauft. Damit hatte der Vater die strengen
jüdischen Heiratsvorschriften seiner Elterngeneration verlassen und als Wiener Zuwanderer die Weichen für eine Assimilation
seiner Nachkommen gestellt. Doch der Nationalsozialismus machte dies durch seine „Rassegesetzte“ und den mörderischen
Terror zunichte.
Der spätgeborene Sohn Ferdinand auch „Ferry“ genannt, studierte bis 1931 an der Wiener Kunstgewerbeschule unter anderen bei
Erich Mallina (1873-1954). Die Bilder seines Lehrers, er war Mitglied der Theosophischen Gesellschaft, sind mystisch-religiös
aufgeladen und der pointilistischen Technik verpflichtet. Ein anderer Professor von Ferry Zipper, Viktor Schufinsky
(1876-1947), ein Gebrauchsgraphiker der Wiener Moderne, ließ in seinen Darstellungen oft einen surrealistischen Humor
sprechen. Von ihnen wurde Ferdinand Zipper geprägt. Er entwickelte sich beruflich zum Graphiker, Illustrator, Maler und
Bühnenbildner. In Österreich weitgehend vergessen, zählt er in den Niederlanden zum künstlerischen Kanon.
Am 31. Jänner 1931 heiratete der 20-Jährige in Wien die um zehn Jahre ältere Gertrude Armuth. Er trat 1934 aus der
katholischen Kirche aus , 1937 wurde er gemeinsam mit seiner Ehefrau in die gemischte Freimaurerei des Le Droit Humain
und in die Loge Vertrauen aufgenommen. Das Paar blieb bis 1938 Mitglied, als der Einmarsch Hitlers drastisch beider Leben
veränderte. Die Flucht in die Niederlande glückte, doch es folgte kein gemeinsamer Weg in die Zukunft. Ferry und Gertrude
Zipper ließen sich 1939 in Den Haag scheiden.
Gertrude Armuth gelangte in das Lager Westerbork und wurde 1943 im KZ Auschwitz ermordet. Ferry Zipper gelang es anscheinend,
seine jüdischen Wurzeln zu verschleiern. Er ging in den Niederlanden in den Widerstand. Dabei kamen ihm seine
künstlerischen Fähigkeiten zugute. Er fälschte Personalausweise und Dokumente, um verfolgten Personen neue
Identitäten zu verschaffen. Am 7. Februar1945 heiratete er seine zweite Frau Elisabeth Helena Betty Hische,
die am 4. Juli1916 in Amsterdam zur Welt gekommen war. Das Paar hatte zwei Kinder, Evelin Elisabeth Zipper und
Eduard Ronald Zipper. Seine Ehefrau verstarb jedoch bereits am 5. September1954 und so gab er Nelly Mulder noch
im selben Jahr das Ja-Wort. Die Ehe mit der 23-Jährigen Tänzerin und Kellnerin endete jedoch bereits 1959. Ferry
Zipper, seit 1951 war er niederländischer Staatsbürger, konnte in der neuen Heimat seine berufliche Laufbahn
fortsetzen. Bis 1964 lebte er in Amsterdam, dann zog er in der Provinz Gelderland nach Oosterbeek, eine Stadt die im
19. Jahrhundert durch ihre Künstlerkolonie bekannt war. Ferry Zipper arbeitete als Illustrator für Kinderbücher, aber er
hinterließ auch surrealistisch anmutende Malereien. In Holland wird er durchaus beachtet, so widmete man ihm 2000
posthum eine Ausstellung, seine Bilder kursieren in Auktionen. Das Leben des facettenreichen Künstlers und Widerstandskämpfers
endete am 28. März 1985 bei seinem Besuch in seinem Herkunftsland Österreich in Bruck an der Mur.
Quelle: Archiv und Forschung des LE DROIT HUMAIN Österreich
Link:
Ferry Zipper auf der Plattform WIEN GESCHICHTE WIKI
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